17. Weiße Lilie - Die zeitlose Romansammlung von Barbara Cartland
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Description

Ilitta schafft es, den Herzog von Marazion ständig aufs Neue zu überraschen. Mit ihrem Verhalten im Rasthof, wo sie sich zum ersten Mal begegnen, ihrem seltenen Talent als Künstlerin und besonders Menschen als Tiere darzustellen, seien sie gut oder böse, und ihrem Mut als sie mit Waffengewalt gefangen gehalten werden.Nachdem sie zusammen Gier, Verrat und allerlei Gefahren überstanden haben, fürchtet Ilitta jedoch von der verführerischen Comtesse de Soisson ausgestochen zu werden und läuft davon. Mit fast magnetartiger Wirkung angezogen, die ihre Herzen erzeugen, schafft es der Herzog mit seinen Küssen schließlich, Ilitta davon zu überzeugen, daß er sie, jetzt wo er sie gefunden hat, nie wieder gehen lassen wird… Barbara Cartland wurde 1901 geboren und stammt mütterlicherseits aus einem alten englischen Adelsgeschlecht. Nach dem Tod des Vaters und Großvaters ernährte ihre Mutter die Familie allein. Sie war zweimal verheiratet und hatte drei Kinder. Ihre Tochter Raine war die Stiefmutter von Prinzessin Diana von Wales. Sie schrieb über 700 Romane, die ein Millionenpublikum ansprechen. Barbara Cartland starb im Jahr 2000.

Subjects

Informations

Published by
Published 14 August 2015
Reads 1
EAN13 9781782137085
Language English

Legal information: rental price per page 0.0222€. This information is given for information only in accordance with current legislation.

Exrait

WEISSE LILIE
Barbara Cartland
Barbara Cartland E-Books Ltd.
Vorliegende Ausgabe ©2015
Copyright Cartland Promotions 1985
ISBN: 9781782137085
Gestaltung M-Y Books
www.m-ybooks.co.uk
1
„Der Nebel wird dichter, Euer Gnaden!“ sagte der Diener besorgt. Der Herzog gab keine Antwort. Er hatte es längst bemerkt. Mit jeder Meile war er gezwungen worden, langsamer zu fahren, und hielt es inzwischen für ratsam, eitle Bleibe für die Nacht z u finden, anstatt zum Marquis von Buxworth zu eilen, wo man ihn erwartete. Der Herzog haßte es, seine Pläne in letzter Minute umwerfen zu müssen. Wäre es nach ihm gegangen, wäre er einfach weitergefahren. Sein ihm angeborenes Durchhaltevermögen hatte ihn z um besten Athleten seiner Generation gemacht. Als Student hatte er sich bereits im Rudersport her vorgetan und hatte einen Rekord nach dem anderen gebrochen. Später hatte er das Mat terhorn bestiegen, sein Land bei allen Fechtmeisterschaften Europas vertreten und je des Mal gewonnen. Seine Pferde hatten bei allen bedeutenden Rennen einen Sieg davongetragen, beim Hindernislauf hatte er prinzipiell als Erster das Ziel erreicht. Hinzu kam, daß er als hervorragender Schütze galt. Ob er auf der Jagd nach Elefanten und Tigern, oder Fasanen und Rebhühnern w ar, er war treffsicher wie kein zweiter. Seine riesigen Besitzungen in den verschiedensten T eilen des Landes liefen so reibungslos wie geölte Maschinen, denn er kümmerte sich persönlich um die Organisation. Im Gegensatz zu den meisten Männern, die dadurch üb erfordert gewesen wären, stellte er sich täglich neuen Aufgaben und hatte so mit keine Zeit, über Unwesentliches nachzudenken. Obwohl er keine Lust hatte, die Nacht in einem unbe quemen Bett zu verbringen, wollte er seine Pferde nicht schinden und beschloß, bei nächster Gelegenheit anzuhalten. „Wenn mich nicht alles täuscht, Hanson“, sagte er d aher zu seinem Diener, „gibt es hier in der Nähe ein Gasthaus.“ Er war schon lange nicht mehr in dieser Gegend gewe sen, aber wie alles andere bei ihm war auch sein Gedächtnis phänomenal. Als sie einige Minuten später das verschwommene Fla ckern von entferntem Licht durch den Nebel kommen sahen, wußte er, daß er sich nicht getäuscht hatte. Der Gasthof war sauberer, als der Herzog vermutet hatte. Da selten Gäste über Nacht blieben, konnte sich der Herzog die besten Zimmer aussuchen und sogar darauf bestehen, daß die Nachbarräume nicht an irgendwelche Störenfr iede abgegeben wurden, die eventuell die ganze Nacht husteten oder über Möbel stolperten, weil sie zu viel getrunken hatten. Leicht verwundert über die Bitte seines vornehmen Gastes war der Wirt gleichzeitig froh, die Zimmer an einen Herrn vermieten zu können, der offensichtlich gut bei Kasse war. Der Herzog bat um ein separates Speisezimmer, das i hm selbstverständlich zur Verfügung gestellt wurde. Leider war die Kutsche mit seinem Gepäck im Nebel v erloren gegangen. Diese Kutsche wurde von sechs Pferden gezogen und von sei nem ersten Stallknecht, einem äußerst vorsichtigen Mann, geführt, der wahrscheinl ich längst angehalten und das Gespann an einem sicheren Ort untergestellt hatte. Daran gewöhnt, in feiner Leinenbettwäsche zu schlafen, mußte sich der Herzog damit abfinden, diese Nacht mit dem vorlieb zu nehmen, was er vorfand. Normalerweise wurden seine eigenen Fußmatten ausgelegt und sein Reisewaschtisch aufgestellt. Auch auf diese beiden Annehmlichkeiten mußte er verzichten. Nachdem er sich notdürftig frisch gemacht hatte, st ellte er in aller Ruhe sein Abendessen zusammen und befahl seinem Diener Hanson, die Zubereitung in der Küche
zu überwachen. „Ich werde mein Bestes tun, Euer Gnaden“, entgegnete dieser. „Sir!“ verbesserte ihn der Herzog mit scharfer Stim me. „Ich habe Sie ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ich nicht als Herzog von Ma razion reise, sondern als Sir Ervan Trecarron.“ „Sehr wohl, Euer ... Sir.“ Da es ihm unangenehm war, wenn man ihm zu viel Ehrf urcht zollte, pflegte der Herzog unterwegs einfachere Titel zu benutzen, und zog es vor, quasi anonym zu bleiben. Mit seinen fast ein Meter neunzig war er ein stattlicher Mann und mußte den Kopf einziehen, als er die knarrenden Stufen hinauf und in sein Schlafzimmer im ersten Stock ging. Es war ein großes Zimmer mit niedriger Decke. Im Ka min knackten dicke Buchenscheite, Hanson hatte Kerzen angezündet, und es war wohlig warm. Der Herzog, ein sehr kritischer Mann, stellte zu se iner Zufriedenheit fest, daß das Zimmer erstaunlich sauber war. Wie oft hatte er es schon erlebt, daß die Laken schmuddelig waren oder die Matratze und die Decken voller Ungeziefer. Hanson hatte mit Hilfe des Gastwirtes den einen Koffer nach oben gebracht, den der Herzog sicherheitshalber in seine Reisekutsche hatte laden lassen. Da es ihm schon einmal passiert war, daß die zweite mit dem Gepäck nicht rechtzeitig eingetroffen war und er sich notdürftig mit dem hatte begnügen müssen, was er auf dem Leib getragen hatte, hatte er diese Vorsichtsmaßnahme getroffen. Er hatte das dringende Bedürfnis, sich seiner staubigen Sachen zu entledigen. Obwohl er liebend gern gebadet hätte, gab er sich mit dem warmen Wasser zufrieden, das für ihn bereit stand. Da er Hanson in die Küche geschickt hatte, mußte er ohne dessen Hilfe zurechtkommen, was ihm im Grunde nur lieb war. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er gern auf einen Kammerdiener verzichtet, aber mit derlei modernen Ansichten erregte man leider immer noch Anstoß. Bevor er den Titel geerbt hatte, hatte er viele Monate in entfernten Ländern verbracht, wo es nicht einmal den einfachsten Komfort gegeben hatte. Verglichen mit den Strapazen, die er in jenen Tagen freiwillig auf sich genommen hatte, war diese harmlos. Er empfand es als Herausforderung, allein zu sein. Trotzdem ärgerte er sich, daß seine Pläne über den Haufen geworfen worden waren und er den Marquis von Buxworth wegen des Nebels nicht rechtzeitig erreicht hatte. Der Marquis hatte ihm eine reichlich überschwengliche Einladung zukommen lassen. Es war anzunehmen, daß er zu Ehren des Herzogs ein Fest vorbereitet hatte und nun enttäuscht war, daß sein Ehrengast ausblieb. Der Herzog konnte jedoch nichts daran ändern. Er ve rsuchte, nicht mehr darüber nachzudenken, nahm ein Buch aus seinem Koffer und b egab sich in sein separates Speisezimmer. Der Rotwein, den er bestellt hatte, stand auf dem K aminsims. Er goß sich ein Glas ein, trank einen vorsichtigen Schluck, fand den Wein angenehm und setzte sich in einen Sessel, um auf das Abendessen zu warten. Er schlug das Buch auf, las aber nicht, sondern dac hte über den Zweck seiner Reise nach. Er konnte nur hoffen, daß er nicht umsonst hierher gekommen war. Captain Daltry hatte das Projekt so überzeugend ges childert, daß der Herzog sich schließlich einverstanden erklärt hatte, es wenigstens zu besichtigen. „Hier bietet sich Ihnen die Chance Ihres Lebens“, hatte Daltry gesagt. „Wie Ihr wißt, verehre ich Euch sehr, und habe aus diesem Grunde a ls erstem Euch das Angebot gemacht. Ein besseres Geschäft kann man sich nicht wünschen.“
An derlei Komplimente gewöhnt, hatte der Herzog nur schwach gelächelt, geschwiegen und darauf gewartet, daß Captain Daltry zur Sache kam. Es hatte sich herausgestellt, daß Daltry das Kohleb ergwerk eines Bekannten zu verkaufen hatte. „Ein Kohlebergwerk“, hatte er immer wieder betont, „gehört heutzutage zu den Dingen, die ein fortschrittlicher Großgrundbesitzer besitzenmuß.Der Bau der geplanten Eisenbahnstrecken stehe praktisch vor der Tür, wodurch die Nachfrage nach Kohle drastisch zu steigen verspreche. Schon viele Adlige seines Ranges seien im Besitz von Kohlebergwerken und machten mit Sicherheit große Gewinne. Das Dampfschiff habe die Transportmöglichkeiten auf dem Wasser bereits revolutioniert. Die zunehmende Zahl von Zügen verdränge das Pferd. „Nicht, was mich betrifft“, hatte der Herzog betont. Er war bisher ein einziges Mal mit einem Zug gereist und hatte die Fahrt unbequem, laut und gräßlich gefunden. Dessen ungeachtet - das war ihm durchaus klar - war die Eisenbahn das Transportmittel der Zukunft. Je mehr er jedoch darüber nachgedacht hatte, desto intensiver hatte er sich mit seinen Pferden beschäftigt und seine Stallungen erweitern lassen. Obwohl er sich seiner Trotzreaktion sehr wohl bewuß t war, und ihm nicht viel an diesem Daltry lag, hatte er die Investition in Erwägung gezogen. Er hatte Daltry in einem seiner vielen Clubs kennen gelernt, hatte als erstes Erkundigungen über dessen Leumund eingezogen und da bei erfahren, daß Daltry in Indien gedient und nach ein paar Jahren den Abschied genommen hatte. Obwohl es kaum jemanden gab, der diesen Mann kannte, hatte niemand etwas gegen ihn vorzubringen gehabt. „Daltry? Daltry?“ hatte man wiederholt und überlegt. „Meinen Sie den Daltry, der bei allen Pferderennen auftaucht? Er macht einen recht soliden Eindruck, aber viel weiß ich nicht über ihn.“ Was er wirklich hatte wissen wollen, hatte der Herzog nicht erfahren. Wenigstens stand Daltry nicht in dem Ruf, unehrlich zu sein. Er hatte dem Herzog Papiere über das Kohlebergwerk zu lesen gegeben, an denen nichts auszusetzen gewesen war. Da der Herzog nicht bereit war, die Katze im Sack z u kaufen, hatte er darauf bestanden, das Kohlebergwerk persönlich zu begutachten, ehe er Geld investierte. „Das ist doch nicht nötig, Euer Gnaden!“ hatte Captain Daltry erklärt. „Der Bericht, den ich Euch vorgelegt habe, stammt aus der Feder von mehreren Experten. Außerdem h a b eiches Mal von den das Bergwerk schon drei Mal besichtigt und war jed Ausbaumöglichkeiten beeindruckt.“ „Mag sein“, hatte der Herzog entgegnet. „Da ich jed och ohnehin seit langem beabsichtigte, Freunde in Lincolnshire zu besuchen, werde ich es endlich tun, einen Abstecher machen und mich mit eigenen Augen überzeugen.“ „Das ist natürlich etwas anderes“, hatte Daltry zug egeben. „Wenn Sie schon in der Gegend sind, sollten Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Verzeihen, Euer Gnaden, wenn ich darauf bestehe, Euch persönlich du rch das Bergwerk zu führen. Das dazugehörige Land ist sehr reizvoll, die Dörfer und Häuser, die Ihr miterwerben würdet, sind in recht gutem Zustand. Ihr müßtet eventuell etwas Geld investieren, aber nicht viel.“ Nachdem er sich zu der Reise entschlossen hatte, ha tte der Herzog den Marquis von Buxworth angeschrieben und prompt Antwort bekommen. Der Marquis war ein enger Freund seines verstorbenen Vaters und demnach viel älter als er. Nichts, hatte er geschrieben, bereite ihm eine größ ere Freude, als den Sohn seines besten Freundes zu Gast zu haben. Auf dem Rückweg beabsichtigte der Herzog, bei Lord D’Arcy Armitage Halt zu
machen. Der Lord gehörte zu seinen Clubkameraden un d war ein in ganz England bekannter Pferdenarr. Da Captain Daltry ihm nahegelegt hatte, seine Pläne für sich zu behalten, hatte der Herzog den wahren Grund seiner Reise verschwiegen. „Das Kohlebergwerk war im Besitz eines alten Landed elmannes, der vor kurzem gestorben ist“, hatte Daltry erklärt. „Sein Sohn ha t keine Ahnung, wie wertvoll der Grund ist. Offensichtlich wohnt er nicht gern auf dem Land, sondern verbringt seine Zeit lieber in London. Euer Gnaden werden deshalb in der Lage sein, das Bergwerk weit unter seinem eigentlichen Wert zu erwerben. Ihr werdet etwas Geld für neue Maschinen ausgeben und eventuell mehr Leute einstellen müssen. Aber vorerst solltet Ihr das, was ich Euch gesagt habe, besser für Euch behalten.“ Dem Herzog waren Heimlichkeiten dieser Art zuwider. Er spielte lieber mit offenen Karten. Jemanden zu übervorteilen, dem der eigentliche Wert des Bergwerks nicht bewußt war, war ihm letztlich unangenehm. Captain Daltry hatte seine unausgesprochenen Bedenk en geahnt und zu zerstören versucht. „Der junge Newall ist ein sehr vergnügungssüchtiger Mann“, hatte er gesagt. „Der größte Teil seiner Erbschaft ist bereits verpraßt. Wenn Euer Gnaden das Bergwerknicht kaufen, gerät es unter Garantie an einen geldgierig en Spekulanten, der die Arbeiter ausbeutet und jegliche Sicherheitsmaßnahmen mißachtet, was den Menschen, die ihr Brot dort verdienen, nur schaden würde.“ Dieses Problem war dem Herzog bekannt. Im Februar 1 842 war ein schockierender Bericht herausgekommen. Seither war es um die Sicherheit in den Bergwerken etwas besser bestellt. Dennoch gab es noch unzählige skrupellose Besitzer, denen G eld wichtiger war als ein Menschenleben. Es kam nach wie vor unter Tage zu Un fällen, die mit angemesseneren Sicherheitsvorkehrungen vermeidbar gewesen wären. Sich um die Sicherheit seiner Leute zu kümmern, war dem Herzog oberstes Gesetz. Die gute Überwachung des Bergwerks - sollte er es e rwerben - war für ihn Selbstverständlichkeit. Da es ihm nicht entgangen war, daß Daltry mit gesch ickten Argumenten operiert hatte, hatte er auf einem Treffen an Ort und Stelle bestanden. Vor seiner Abreise hatte er seine Mutter besucht, d ie ganz andere Vermutungen bezüglich der Reisepläne ihres Sohnes geäußert hatte. „Sollte es möglich sein, Ervan“, hatte sie gesagt, „daß mein Gebet erhört worden ist? Beabsichtigst du, dir eine Frau zu nehmen?“ Der Herzog hatte sie erstaunt angesehen. „Wie kommst du denn auf diese Idee, Mama?“ „Du hast mir gesagt, daß du den Marquis von Buxwort h besuchen willst. Soviel ich weiß, hat er eine sehr hübsche Tochter, genau im richtigen Alter.“ „Ich verstehe nicht, was du unter richtigem Alter verstehst, Mama“, hatte der Herzog abwehrend entgegnet. Seine Mutter hatte ihn leicht verträumt angesehen. „Ich habe immer gedacht, daß gerade ein Mann wie du, Ervan, etliche Jahre älter sein sollte als seine Frau.“ Sie hatte die Vergangenheit an sich vorbeiziehen lassen. „Dein Vater war genau zwölf Jahre älter als ich, un d du weißt, wie glücklich wir waren. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich ihn das erste Mal sah. Ich fand ihn so schön wie einen Gott, und das hat sich bis zu seinem Todestag nicht geändert.“ „Papa hatte großes Glück mit dir, Mama“, hatte der Herzog lächelnd erklärt. „Ich dagegen habe bis jetzt noch keine Frau getroffen, die ich gern heiraten würde. Ich bleibe daher lieber Junggeselle.“ „Gott sei’s geklagt“, hatte die Herzogin mit scharf er Stimme entgegnet. „Du solltest